Nordvietnam: Hanoi und Halong-Bucht

Der Unterschied zwischen Nordvietnam und der Mitte und dem Süden von Vietnam fühlte sich fast so an als wären wir in einem anderem Land. Die Temperatur war plötzlich 10 Grad kühler und wir zogen alle Anziehsachen übereinander, um bei 17 Grad nicht zu frieren. Außerdem gab es neue regionale Spezialitäten und es gab andere Wörter, um zum Beispiel einen heißgeliebten Kaffee zu bestellen.

In Hanoi hatten wir das Glück an einem Wochenende anzukommen, da Freitag bis Sonntag Teile der Altstadt und die Straße um den See „Ho Hoan Kiem“ zur Fußgängerzone werden. Während wir am See entlang spazierten, verwandelte sich die Straße in einen Spielplatz für Kinder und Erwachsene und wir wurden auch vom Spielefieber gepackt. Wir probierten Stelzenlaufen, Seilchenspringen und Tauziehen aus und beobachteten, wie Kinder voller Freude auf der Straße zusammen Yenga spielten und in bateriebetriebenen Mini-Autoscoutern hin und her pflizten. Was für eine Wochenendgaudi! Getanzt wurde auf der Straße auch und Groß und Klein hatten ihren Spaß.

Wir spazierten durch Hanoi und erkundeten die verwinkelten kleinen Gässchen der Altstadt und die Einkaufstraßen, wo je Straße jeweils bestimmte Produkte zum Verkauf angeboten wurden: z.B. die Schuhstraße oder die Brillenstraße. Dabei begegneten wir einem netten Vietnamesen, der uns einen kleinen Staßenstand zum Essen empfahl und dann noch die Speisekarte übersetzte. Unser Lieblingsrestaurant („Cafe Aubergine“) verwöhnte uns mit leckeren frischen Frühlingsrollen zum Selberrollen und einem tollen Mango-Shrimps-Salat.

Nach Hanoi hatten wir Lust die Halong-Bucht und die trockene Halong-Bucht zu besuchen. Um den großen Touristenströmen zu entgehen, nahmen wir nicht an einer Cruise teil, sondern fuhren auf die Insel Cat Ba. Dort lernten wir in unserem Hostel Linni und Max aus Berlin kennen und entschieden uns spontan zusammen eine Bootstour durch die Lanh Ha Bucht (eine Verlängerung der Halong-Bucht) zu machen. Unsere Tour auf unserem kleinen Motorboot zu viert war klasse. Wir genossen das Felspanorama der aus dem Wasser ragenden Karstfelsen, das Kayakfahren und das Schwimmen trotz des recht kühlten Wassers und hatten einen vergnügten Tag zusammen. Es war zwar etwas wolkig, aber dafür waren die Felsen nicht vom Nebel verhüllt, wie es hier sonst sehr häufig ist.

Mit einem Moped fuhren wir zum Cat Ba Nationalpark und erklommen den Aussichtspunkt mit tollem Blick in gefühlt endlose Berggipfel der Karstfelsen. Einen gemütlichen Tag am menschenleeren Strand bei Wolken und etwas Sprühregen verbrachten wir mit unseren Büchern und einem Bierchen unter einem Sonnen-/Regenschirm. Sobald wir „ins Ländliche“ kamen, spürten wir mehr Ruhe und Gelassenheit – bei uns und den Menschen um uns herum. Die Natur strahlte diese Ruhe auf uns aus.

Die trockene Halong-Bucht (prima Tipp von Sarah, danke!) erkundeten wir von Tam Coc aus. Wir fanden eine familiäre Unterkunft in einem kleinen Dorf, das „Riverside Homestay“ mit nur zwei Gästezimmern. Wir erlebten ein sehr herzliches Willkommen von unserem Hausherren, der sogar 2 Stunden an der Bushaltestelle auf uns wartete, weil unser Bus verspätet war. Er gab uns nicht nur tolle Sightseeing-Tipps, sondern bekochte uns auch abends mit seiner Frau. So kamen wir erneut in den Genuß eines so genannten „Hot Pots“, eine Art Fondue mit Muscheln, Hühnchen und diversem Gemüse sowie reichlich Reiswein mit vietnamesischen Trinksprüchen.
In Trang An unternahmen wir eine Bootstour durch neun Höhlen durch die trockene Halong Bucht. Zum Teil mussten wir den Kopf einziehen, um bei der Höhlendurchfahrt nicht anzustoßen. Im Innern der Höhlen war es sehr warm und unsere Kamera beschlug sofort. Da wir an diesem Ort fast die einzigen Touristen unter zahlreichen Vietnamesen waren, fühlten wie uns an dem Tag wie Fotomodells, da wir durch unsere hellen Haare die reinste Attraktion waren. Mit zwei Vietnamesen, die mit uns im Boot fuhren, konnten wir zwar kein Wort sprechen, aber verstanden uns wortlos mit Gesten und Mimik und fühlten uns in herzlicher Begleitung.

Micha erlebte sein persönliches Highlight in der Mua Cave, einer Höhle, die man über einen Steg, der durch Wasser führt, begehen kann. Der Aussichtspunkt auf dem Berg über der Höhle bescherte uns – nachdem wir die 500 Stufen erklommen hatten – zum Abschied aus der Halong Bucht noch ein tolles Panorama.

Eine Herausforderung war es an beiden Tagen, an denen wir mit dem Moped unterwegs waren, unseren Weg zurück nach Hause zu finden. Trotz unserer Maps.me-App hatten wir es nicht leicht, da viele kleine Straßen auf der Karte nicht verzeichnet waren und wir uns zum Teil an Wasserbüffelherden vorbeischleichen mussten.

Bei dem für uns kalten Wetter hatten wir große Lust auf Fernsehen im Bett mit guten Krimis. Dank ARD- und ZDF-Mediathek auf dem ipad konnten wir mehrere Tatorte und andere Krimis schauen und uns dabei nach unseren Mopedtouren aufwärmen.

Wir verabschieden uns nun aus Vietnam, einem Land, was für uns einerseits durch seine Schönheit der Natur und grandios leckerer Küche, andererseits durch seine Lautstärke und Fülle von Menschen (Einheimische und Touristen) in den Städten geprägt war.